Angus-Rinder: Augenweide und Gaumenfreude

Pius Brand, landwirtschaftlicher Betriebsleiter mit seiner Angus-Zuchtkuh Dona.

Mein Chef, der Pius Brand (Bild oben), sagt, ich dürfe einen Beitrag liefern zum neuen Blog der Pestalozzistiftung. Wohlan. Ich heisse Dona, kam am 8. April 2008 zur Welt und bin eine von derzeit 25 Angus-Zucht-Mutterkühen.

Wir weiden schon unterschiedlich lange auf den saftigen 5 Hektar Wiesen der Zürcherischen Pestalozzistiftung. Es lebt sich gut hier. Die Menschen lassen uns in Frieden, Platz haben wir genug und mit unseren Kindern, den Kälbern, können wir Tag und Nacht zusammen sein.

Unser Stier ist der «Köfferli-Muni»

Diese Art Rinderzucht heisst Mutterkuhhaltung: Die Kälber können Milch saugen, wann immer sie wollen. In der Regel bringen wir sie sogar auf der Weide zur Welt. Bei mir sind es zwei Kälber und sechs Stiere. Das achte erblickte am 28. Februar 2017 die Welt. Es heisst Daria und bekam die Nummer CH 120.1294.7911.1. Ihr Vater ist ein Brite, er heisst Duke.

Nein, ich war nicht in England in den Ferien. Duke kam in einem Aktenkoffer zu mir. Echt. Wenn die Zeit reif ist uns eine von uns wieder schwanger werden soll, kommt der «Köfferli-Muni». Der Mann im blauen Overall besamt uns nach den Vorgaben von Züchter Pius. Dann werden wir schwanger und der Kreislauf beginnt von vorne.

Für alle Interessierten: Eine Kuh ist rund neun Monate schwanger. Meist gebärt sie dann ein Kalb. In Ausnahmefällen Zwillinge. Das kam im «Pestalozzi» vergangenes Jahr einmal vor. Hat die Kuh ihr Kalb geboren, dauert es zwei bis drei Monate, bis sie erneut besamt wird. Ein Kälbli ist jeweils rund zehn Monate bei der Mutter. Dann wird es verkauft.

Das tönt vielleicht etwas laienhaft und Sie möchten mehr wissen über die Wirtschaftlichkeit der Mutterkuhhaltung. Da heissen die entscheidenden Faktoren: Erstabkalbealter, Zwischenkalbezeit, Leichtkalbigkeit und Nutzungsdauer einer Mutterkuh. Hä? Sie verstehen nur Bahnhof. Ich auch. Egal. Wer sich für solche Fakten interessiert, klickt SwissAngus.ch an. Auf dieser Webseite steht viel Interessantes. Etwa, dass die Geburtsstunde von gezüchteten Angusrindern einige Generationen zurückliegt.

Angus-Urahnen lebten in Schottland

Unsere Zuchtgeschichte nahm laut dieser Quelle ihren Anfang Mitte des 18. Jahrhunderts, als die Urahnen von Angus – das waren Tiere einer hornlosen Rasse – in der weiten, grünen Landschaft Schottlands weideten. Im frühen 19. Jahrhundert schliesslich kamen Züchter buchstäblich auf den Geschmack: sie erkannten unsere hervorragende Fleischqualität und begannen mit gezielter Linienzucht und der dazugehörigen Selektion. Bald einmal war Angus reif für Insel, und etablierte sich nicht nur in Schottland, sondern in Irland und England. Später in Amerika und auf dem europäischen Festland. Heute findet man Verwandte von mir auf der ganzen Welt.

Pius Brand, Leiter Landwirtschaft der Zürcherischen Pestalozzistiftung und demnach mein Chef, hat grosse Freude an mir, da ich jährlich immer ein lebend geborenes Kalb zur Welt brachte, und alle meine Kälber sehr gut an Gewicht zugelegt haben.

Apropos Gewicht zulegen und auf den Geschmack kommen: Unsere Kälber, das sage ich da ganz ohne Sentimentalität, leben ca. 300 Tage in Knonau. Dann werden sie verkauft und zur Zucht verwendet oder geschlachtet.

Fleisch stammt vom Tier – im Fall

Ups, sind da einige erschrocken? Wir sind typisches Fleischvieh. Ich hörte schon zu, wie Pius Brand einigen Schülern erklärte, dass ein Stück gutes Fleisch von einem geschlachteten Tier stamme und nicht einfach so irgendwo hergestellt werde.

So ist es. Wer regelmässigen diesen Blog verfolgt, kann bestimmt noch einiges lernen. Muuuuuhh.

Und wer Lust hat, kann mir schreiben: Landwirtschaft@pestalozzistiftung.ch, ebenso kann man auf unserer Webseite vom wunderbaren Angus-Fleisch bestellen oder andere Leckereien ordern.

 

 

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